Wanfried

Verwaltungspilgern nach Wanfried
Die Gäste vor dem Fachwerk-Musterhaus

Verwaltungspilgern nach Wanfried

Förderantrag – bürokratisches „Monster“ für kleine Verwaltungen - Studierende der Hochschule für Polizei und Verwaltung zu Gast in Wanfried

Von Diana Wetzestein

20.02.2019_Wanfried. Den Herausforderungen des demografischen Wandels sind sie aktiv nachgegangen. 20 junge Anwärter für den gehobenen Dienst von der Hochschule für Polizei und Verwaltung (HfPV) aus Kassel. Auf ihrer fünftägigen Exkursion durch den Werra-Meißner-Kreis wanderten sie unter dem Motto "Verwaltungspilgern" zu selbst ausgewählten Orten und Terminen. Die zurückzulegenden Wegstrecken nutzten sie für intensive Konversation über die Themen einer Region, die einmal als das Armenhaus Nordhessens bezeichnet und eine immense demografische Abwärtsspirale vorausgesagt wurde.

Auch die östlichste Stadt Nordhessens stand auf der Liste. In Wanfried wurden sie und ihre Professoren Richard Merker und Björn Rüdiger im Rathaussaal empfangen. „Sie sollen andere Behörden, deren Arbeitsweisen und auch deren Vertreter außerhalb ihrer eigenen Kreise kennen lernen. Zudem befassen sie sich am konkreten Beispiel mit den Herausforderungen für den ländlichen Kreis, mit Lösungsansätzen und Ideen, die sie hoffentlich mit in ihre eigenen Verwaltungen nehmen werden“, sagte Prof. Rüdiger. 


Bürgermeister Wilhelm Gebhard und Jürgen Rödiger, Sprecher der Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser, hatten zum Thema demografischer Wandel viel Positives zu berichten. Denn in der Kleinstadt mit fünf Stadtteilen und derzeit 4.175 Einwohnern wurde mit Bürgerpower und einer versierten Verwaltung dem demografischen Wandel getrotzt. Als Bürgermeister Gebhard im Jahr 2007 ins Amt gewählt wurde, hatte die Stadt bis dahin innerhalb weniger Jahre hunderte von Einwohnern, mittelständische Unternehmen, die Zonenrandförderung und die Hoffnung auf die Umkehr dieser Abwärtsspirale längst verloren.

Über 20 leerstehende Fachwerkhäuser in der Altstadt machte einigen betroffenen Bürgern klar, dass sie dieses Problem selbst anpacken müssten. Eine ehrenamtliche Initiative zur Vermarktung leerstehender Fachwerkhäuser gründet sich, Wilhelm Gebhard schloss sich ihnen an, bevor er zum Bürgermeister gewählt wurde. Aus der Idee skizzierte er eine Vermarktungsstrategie, die er im Wahlkampf kommunizierte und als reale Chance für die Stadt benannte. „Die Bürger hatten die zündende Idee und ließen viel Engagement folgen“, sagte er. Gemeinsam warben sie für die historische Bausubstanz, sprachen über moderne und ökologische Sanierung, darüber, wie wichtig das ortsnahe Handwerk sei und zeigten den Willen, viele Stunden der eigenen Freizeit zu opfern.

Nach der Wahl zum Bürgermeister, löste er das Versprechen ein, die Stadt und die Stadtteile zu Vermarkten. Bei seiner Arbeit, die er als 29-jähriger Betriebswirt annahm, musste er sich auf die gut ausgebildeten Verwaltungs-Angestellten im Rathaus verlassen können. „Ich habe sehr viel zusätzliche Arbeit ins Rathaus geholt, wir leben Bürgernähe und das bedeutet eine hohe Servicebereitschaft“, so Gebhard, der zugeben musste, dass seine kleine Verwaltung mit derzeit 11,5 Stellen an ihre Grenzen gestoßen sei, die Aufgaben mit dem Personalstand einfach nicht mehr zu schaffen seien. Allein die Beantragung von Fördergeldern zur Realisierung eines für die Beratung genutztes Fachwerk-Musterhaues aus den Mitteln des Stadtumbau West im Jahr 2010 in Höhe von 180.000 Euro und einer kleinen Förderung über 45.000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit der Bürgergruppe im Jahr 2011 war von der Verwaltung kaum zu leisten. Dieser Stadt, die sich aus dem Rettungsschirm und der demografischen Abwärtsspirale herausgekämpft hat, sei es nicht möglich, an Förder-Gelder zu kommen, die als Unterstützung für die ländliche Region gedacht sind. „Weitere Förderanträge können wir nicht stellen, weil sie zu bürokratischen Monstern geworden sind. Wenn wir ein Budget hätten, das wir einfacher einsetzen könnten, hätten der ländliche Raum mehr davon“, so Gebhard, der im Mai zum dritten Mal zur Wahl des Bürgermeisters antreten wird.

Wanfried fördere seine Bürger auch durch die Arbeit der Bürgergruppe, die als ehrenamtlich Makler zwischen Verkäufern und Käufern vermitteln, Beraten und auch nach dem Kauf einer Immobilie für die neuen Eigentümer da sind. „Das unterscheidet uns von den normalen Maklern, wir sind nach dem Kauf auch noch da und agieren lösungsorientiert“, sagte Jürgen Rödiger, Sprecher der Bürgergruppe. Derzeit besteht sie aus neun Mitgliedern, die seit Beginn ihrer Tätigkeit 63 Immobilien in Kernstadt und Stadtteilen vermitteln konnte und ganz nebenbei für einen Immobilientourismus sorgte. „Denn auch die Suche nach einem neuen Zuhause treibt die Menschen aus den Ballungszentren zu uns in die Hotels, Pensionen und Gaststätten“, so der Bürgermeister. Als erster Ansprechpartner für die Interessenten ließe er alles stehen und liegen, sobald sich jemand nach einem Haus in seiner Stadt umschauen wolle, sagte er.

Alles begann Ende 2008, mit einer Anzeige für günstige Immobilien in den Niederlanden. „Wir warben mit niedrigen Preisen, hoher Lebensqualität und einer guten soziale Infrastruktur“, so der Bürgermeister. Der Erfolg stellte sich bereits nach drei Wochen ein, mit dem Verkauf der ersten städtischen Immobilie an ein niederländisches Ehepaar. Weitere zwölf Immobilien gingen an Niederländer. Diese ungewöhnliche Stadt-Marketing wurde von den überregionalen Medien entdeckt und in Funk, Fernsehen und großen Tageszeitungen beschrieben. Jeder Bericht brachte neue Interessenten, die mittlerweile über ein kommunales Immobilienportal über die Angebote informiert werden.

Die anfängliche Skepsis über das Tun der Akteure ist vorbei, der Erfolg zur Normalität geworden. Denn nicht nur für die Verkäufer und die Handwerksunternehmen, die mit einem Umsatz von über vier Millionen Euro allein an diesen 63 Häusern partizipierten, sondern auch für das Image des Kreises und der gesamten Region habe sich ihre Arbeit auszahlt, das zeigten die neuesten Zahlen, so Gebhard. „Tatsächlich verzeichnet Wanfried bei real sinkenden Einwohnerzahlen im Kreis, Zuwächse bei Bevölkerungszahlen sowie den Zahlen im Bereich Tourismus. Das führe ich auch auf die konsequente Arbeit der Ehrenamtlichen und der Verwaltung in den vergangenen elf Jahren zurück“, so Gebhard, der sich bewusst ist, dass der weitere Erfolg von den Menschen abhängt, die bereit sind, ihre Freizeit einzubringen und von einer Verwaltung, die das unterstützt.     

 

Information zum Anwärter auf den gehobenen Dienst:

Die Studierenden kommen vom Regierungspräsidium Kassel, vom Landeswohlfahrtsverband, von Landkreisen sowie von der Stadt und Landkreis Kassel und anderen Kommunen. Das dreijährige Studium schließt mit dem Bachelor in "Public Administration" ab. Die Hochschule ist auf eine enge Verknüpfung der Studieninhalte mit den besonderen praktischen Herausforderungen der vielfältigen Tätigkeit in einer Kommune oder einem Kommunalverband bedacht. Das Erlernte soll zeitnah in der Praxis angewendet werden. Viele Absolventen haben vor ihrem Studium in den Behörden gearbeitet und werden nach ihrem Abschluss in praktisch allen Gebieten der Kommunalverwaltungen eingesetzt.

 

Aktuelles..

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Süddeutsche Zeitung berichtet

22. Februar 2019_Die Süddeutsche Zeitung hat heute einen ausführlichen Beitrag über Wanfried gebracht. Susanne Höll...

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30. Januar 2019_ Zu einem Übergabe- und Kennenlerntermin hat die neue - für den Werra-Meißner-Kreis...

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11.08.2018_Wanfried/Sachsenhausen. Leerstand, auch im größten Stadtteil der Stadt Waldeck, Landkreis Waldeck-Frankenberg, ist das ein Dauerthema...

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Die Bürgergruppe arbeitet ehrenamtlich. Wenn Sie sich in Wanfried oder seinen Stadtteilen den Wunsch von einem eigenen Fachwerk- oder Massivhaus erfüllen wollen, beraten und unterstützen wir Sie gerne, auf der Suche nach dem richtigen Objekt.

Wenn Sie Beratungsbedarf für ihre eigenes Fachwerkhaus haben, energetisch sanieren und dabei modernen Wohnkomfort in das historische Haus holen wollen, Sie nach dem richtigen Nutzungs-, Sanierungs- oder Energiekonzept suchen, Klima-, Umwelt- und Denkmalschutz in die Tat umsetzen, ökologische Baustoffe, Putze oder Farben wiederentdecken oder wissen wollen, was Fachwerk bietet, dann sind sie hier richtig.
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