5. BürgerWerk Tagung

1. April 2017_Treysa. „Ich bin bekennender Fachwerkliebhaber“, mit dieser Botschaft startete das fünfte Treffen des Bürgerwerks der Fachwerkstädte in Treysa. Die Altstadtfreunde Treysa e. V. konnten über 40 Mitglieder befreundeter Initiativen und Gruppen begrüßen, um sich mit ihnen über aktuelle Themen zur Beseitigung von Leerständen und Innenentwicklung der Städte und Dörfer auszutauschen. Bei ihrer Gründung vor drei Jahren fielen sie erst einmal durch Reinigungsaktionen in ihrer Altstadt auf. Dann hängten sie Infotafeln über die Stadtgeschichte auf und organisierten die Kulturnacht in den tiefen Gewölbekellern, die Treysa so interessant machen. Schaufenster leerstehender Ladengeschäfte wurden gestaltet und ein Bouleplatz angelegt. Auch Inge Schneider-Scholz, die schon bei der Gründung des Bürgerwerks 2015 in Wanfried die Altstadtfreunde vertreten und als Fachwerkgästeführerin über die Baukultur viel zu erzählen hat, bringt ihr Know-how mit ein. Jetzt soll ein Fachwerkhaus als eine Art Musterhaus fach- und sachgerecht und öffentlichkeitswirksam von 24 Mitgliedern saniert werden. So kann ein Leerstand beseitigt und neuer Wohnraum geschaffen werden.

„Wie funktioniert eure Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung?“, lautete die zentrale Frage, die Georg Schlamann, Vorsitzender der Altstadtfreunde, an die Gäste aus dem Bürgerwerk stellte. Den Antworten dazu lauschten auch Vertreter aller im Parlament vertretenen Parteien sowie der parteilose Bürgermeister Stefan Pinhard. Seit Dezember 2016 im Amt signalisierte er, mit den Ehrenamtlichen die Innenentwicklung gemeinsam vorantreiben und deren Aktionen unterstützen zu wollen. „Ich kann sie zu diesem Vorhaben nur ermutigen und zu ihren Altstadtfreunden beglückwünschen. Sie sollten sie mit allen Mitteln unterstützen, denn diese Menschen sind Juwelen in Form engagierter Bürger“, sagte der Wanfrieder Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der den Erfolg bei der Vermittlung von Leerständen der guten Zusammenarbeit zwischen der Bürgergruppe in Wanfried und Stadtverwaltung zuschreibt. „Die konsequente Unterstützung aus dem Rathaus ist wichtig für die Stimmung innerhalb der Gruppe, die Wertschätzung verdient und unkomplizierte Lösungen braucht“, sagte er. Die kostenfreie Beratungsleistung einer Bürgergruppe habe enorme Vorteile für die Kommune und das Handwerk. Das habe sich in Wanfried bereits ausgezahlt. Das Bürgerwerk sei zudem ein großer Pool an Know-how in unterschiedlichsten Fragen zur Baukultur.

Das Netzwerktreffen war interessant und hochkarätig besetzt mit einem Neuzugang aus Dessau. Vom Verein Schwabehaus e. V. und deren Vorsitzenden Prof. Holger Schmidt bekamen den Altstadtfreunde Wege für die Finanzierung einer Leerstandsimmobilie aufgezeigt. „Wir haben mit einem Kredit von der GLS-Bank, der zusätzlich zur Grundbuchsicherung von 78 Kleinbürgschaften abgesichert wurde, den Eigenanteil für eine Förderung aufgebracht“, so Prof. Schmidt. Das Schwabehaus und die alte Bäckerei, zwei der letzten Fachwerkhäuser in Dessau, konnten so gerettet und einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Treysa steht noch oder schon am Anfang einer Innenentwicklung, die von den Altstadtfreunden vorangetrieben wird. Ein Abstimmungsgespräch zwischen Bürgermeister Pinhard, den Fraktionen und den Altstadtfreunden wurde angekündigt. Das nächste Treffen werden die Schlosspatrioten Homberg an der Ohm im Frühjahr 2018 ausrichten. Das Herbsttreffen findet am 4. Oktober 2017 in Form von Vorträgen der Bürgerinitiativen während des Denkmalkunst-Kunstdenkmalfestivals im Fachwerkfünfeck. Weitere Infos: buergerwerk.net

Teilnehmende Gruppen: Altstadtfreunde Treysa e. V., Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt eG, Schlosspatrioten Homberg an der Ohm, Kulturkreis Fachwerk im Celler Land e. V., Bau- und Wohnkultur Witzenhausen e. V., Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser, Schwabehaus e. V. Dessau